Artenvielfalt ist Leben: Alte Kulturpflanzen, alte Obstsorten, alte Apfelsorten sind biologische Vielfalt

Sonntag, 06. Juni 2010

Wer einen kleinen Beitrag leisten will, um die Vielfalt der Kulturpflanzen zu erhalten, kann im Blumentopf oder im Garten z. B. alte Kräutersorten pflanzen.  Pressefoto: © Naturefund

Wer einen kleinen Beitrag leisten will, um die Vielfalt der Kulturpflanzen zu erhalten, kann im Blumentopf oder im Garten z. B. alte Kräutersorten pflanzen. Pressefoto: © Naturefund

Seit der Mensch sich vom Jäger und Sammler zu einem Leben als überwiegend sesshaftem Ackerbauern entschieden hat, hat er versucht, aus der Vielzahl der Wildpflanzen diejenigen zu kultivieren,
deren Eigenschaften ihm am wertvollsten erschienen: Das war oft in allererster Linie ausreichend Ertrag, um Hungersnöte zu vermeiden. Durch Auslese und Kreuzung entstanden so über die Jahrtausende zahlreiche Kulturpflanzen.
Ob weiße oder gelbe Erdbeeren, blaue Kartoffeln, rot-weiß-geringelte Beete, violette Karotte, Wasserlatschen, Champagner-Bratbirne oder ungewöhnliche Tomatensorten wie Schifferstadter Rotkäppchen, Johannistraube oder Ampeltomate: durch die industrialisierte Landwirtschaft ist die ursprüngliche Vielfalt der an die regionalen Besonderheiten angepassten Kulturpflanzen in nur wenigen Jahrzehnten so drastisch geschrumpft, dass die biologische Vielfalt auf den Äckern wie in den Kochtöpfen ernsthaft bedroht ist.
Saatgutmonopolisten liefern vorwiegend Hybridsorten, aus denen man nicht selbst Samen für die Weiterzucht gewinnen kann. Abgesehen davon, dass dadurch die Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen steigt, sinkt dadurch der Genpool und die an Kleinklimata angepasste Artenvielfalt samt ihrem Genpool geht verloren.
Wie Naturefund in einer Pressemitteilung vom 14. April 2010 über den Rückgang der Biodiversität berichtet, “stammen beispielsweise die Apfelsorten, die es weltweit in den Supermärkten ganzjährig zu kaufen gibt, von nur drei Muttersorten ab”. Kein Wunder also, dass sich die Tier-, Bakterien- und Pilzwelt schnell auf das einseitige Futter einstellt und nur mit massivem Gifteinsatz bekämpft werden kann.

Internationales Jahr der Biodiversität 2010 – selber aktiv werden: Alte Kulturpflanzen anbauen
2010 ist das internationale Jahr der Biodiversität. Wer will, kann selbst aktiv werden, um alte Kulturpflanzen zu retten. Dazu genügt bereits ein Blumentopf auf der Fensterbank, besser ist natürlich der große Kübel auf dem Balkon oder der eigene Garten.

Wer etwas für die Artenvielfalt tun will, kann im Garten z. B. alte Obstsorten pflanzen. 365 Apfelsorten stellt beispielsweise das Buch “Rosenapfel und Goldparmäne” vor, diesem Obst widmet sich auch der folgende Blogeintrag über alte Apfelsorten und einen optischen Eindruck bekommt man hier.

Wer in einer Agrarlandschaft lebt, kann aber auch einfach mal schauen, ob es nicht Bauern in der Umgebung gibt, die für den Eigenbedarf noch alte Gemüsesorten oder Kräuter anbauen und gern ein Pflänzchen oder Saatgut abgeben. Alte Obstsorten eignen sich meist nicht für die Zucht im Topf, dafür aber Kräuter.

Alte oder seltene Kräutersorten
Kräutersorten, die man im Supermarkt meist vergebens sucht, sind etwa Mauerpfeffer (Sedum acre), Portulak (Portulaca oleracea), Liebstöckel (Levisticum officinalis), Knoblauchsrauke (Allaria officinalis), Dost (Origanum vulgare), Quendel (Thymus serpere), Pimpinelle (Sanguiserba minor) oder Ysop (Hyssopus officinalis). Wer eine breite Fensterbank oder einen Balkon hat, kann ihnen ein Plätzchen gönnen und sich nicht nur am Anblick, sondern auch am Geschmack der Kräutervielfalt erfreuen.

Wo bekommt man Saatgut oder Pflanzen?
Wer in der Nachbarschaft nichts findet, findet bei Arche Noah, der Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt & ihre Entwicklung, reichlich Pflanzen oder Samen, um die biologische Vielfalt auf den Balkon und im Garten zu erhöhen.

Auf der Website von Arche Noah findet man zudem eine Datenbank, das Sortenhandbuch. Für eine geringe Jahresgebühr bekommt man Zugang zur Datenbank mit mehr als  600 Arten seltener Gemüse, Feldfrüchte, Obstsorten, Kräutern, Wild-  und  Zierpflanzen.

Auf “Lila Tomate” findet man ebenfalls ein Angebot zahlreicher Tomaten-, Auberginen- und Karottensorten.

Literatur zum Thema

Brigitte Bartha-Pichler et al.: Rosenapfel und Goldparmäne. 365 Apfelsorten – Botanik, Geschichte und Verwendung. Baden, München: AT-Verlag. ISBN 978-3-03800-209-3. Preis 29,90 EUR
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