Fett und krank durch Transfett? Transfettsäuren lassen Fettzellen sprießen
Macht eine Ernährung, die Transfette enthält, dick und krank? Transfette sind künstlich gehärtete Fette, die z. B. als Transfettsäuren in industrieller Margarine, in Chips oder frittierten Lebensmitteln enthalten sind. Im Tierexperiment mit Ratten zeigte eine brasilianische Studie im Jahr 2008, dass Rattenbaby fetter werden, wenn die Mütter während der Schwangerschaft und der Stillperiode mit künstlichen Transfettsäuren gefüttert werden. Die gehärteten Fette stören zudem anscheinend die natürlichen Regelkreise für Hunger und Sättigung bei den Tieren.
Transfette entstehen, wenn Öle künstlich z. B. durch Hydrierung (Wasserstoffanlagerung) in feste Fette umgewandelt werden (wer’s genauer wissen will, findet bei der NZZ Online den Artikel “Wie Transfette entstehen”). Transfettsäuren werden eingesetzt in Frittierfetten, in Blätterteig-Gebäck, Speiseeis, Margarine sowie in Chips, Keksen oder Sprühsahne. Dass Transfette durch negative Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel das Risiko für koronare Herzerkankungen erhöhen und zudem die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, war bereits bekannt. Doch die Lebensmittelindustrie verwendet Transfette munter weiter, denn
Wissenschaftliche Studien zu Transfettsäuren: erhöhtes Risikiko für Bauchfett, Diabetes & Co.
Im April 2008 veröffentlichten Professor Pisani und Ihr Team von der Bundesstaatlichen Universität von São Paulo, Brasilien Ihre Ergebnisse. Die Wissenschaftler fütterten Ratten vom ersten Tag der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit ein Futter, welches knapp ein Prozent Transfettsäuren enthielt. Abgestillt bekam nun der Nachwuchs das Trans-Futter.
Der Vergleich zu den Kontrollgruppen zeigte, dass die Transfett-Esser selbst bei gleicher Kalorienzahl mehr Körpergewicht aufbauten und letzten Endes 40 Prozent mehr Fettmasse besaßen. Auch die Menge an Insulin in ihrem Blut wuchs, ein warnender Schritt in Richtung Diabetes Typ II.
Ähnliches beobachteten amerikanische Forscher der Wake Forest University School of Medicine bereits 2007 an Affen. Obwohl diese nicht mehr Kalorien fraßen als ihre Kontrollgruppe, nahmen die Tansfett-Affen verstärkt an Gewicht zu. Und das lagerten sie vor allem als risikoreiches Bauchfett ein. Konsequenz: Auch ihr Risiko, an Diabetes zu erkranken, wuchs deutlich.
Auch die Sättigungregelung im Körper wird umprogrammiert. Eine Forschungsarbeit von 2006 ergab, dass die Transfettsäuren im sogenannten Hypothalamus, dem Steuerungszentrum für Hunger und Appetit im Zwischenhirn, das Signal für „Stopp – genug gegessen“ unterdrücken.
Warum die Lebensmittelindustrie Transfettsäuren liebt
Transfettsäuren entstehen bei der Umwandlung flüssiger Öle in festes Fett, bei der sogenannten Fetthärtung. Solche Kunstfette lassen sich gleichmäßig verarbeiten, halten das Aroma gut und sind lange lagerbar. Die Lebensmittel-Hersteller setzen sie in Keksen, Brotaufstrichen oder Tütensuppen ein. Fastfood-Restaurants verwenden sie zum Frittieren. Auch Milchprodukten enthalten Transfette, sie sehen ihren Namensvettern chemisch ähnlich. In den Mengen, die Milch und Käse uns liefern sind sie aber unbedenklich.
Grenzwerte für Transfette aus der Politik
In Dänemark regelt seit 2003 ein Grenzwert, der den Transfett-Anteil für dänische Remoulade oder die berühmten Butter Cookies auf maximal 2% begrenzt. In New York verbannt seit 2006 ein Gesetz industriell gehärtete Fette aus New Yorker Fastfood Restaurants. Lebensmitteletiketten müssen in beiden Ländern den Gehalt an Transfettsäuren angeben, nicht nur in Margarine.
Großbritanniens und Schottlands Lebensmittel-Industrie ergriff aufgrund des Druckes von Regierung und Verbraucher-Organisationen Maßnahmen, um das ungesunde Fett in Früchtekuchen, Brownies oder Salt & Vinegar Chips zu reduzieren.
„Wir haben kein Trans-Problem“ sagt dagegen das deutsche Margarine Institut und bezieht sich dabei etwa auf eine Untersuchung von 1997 sowie Ergebnisse von 2007 über portugiesisches Essverhalten. Deutsche Aufnahmemengen konnte man bisher nicht ermitteln, der Nationalen Verzehrsstudie 2008 mangelte es hierfür an Daten aus der Industrie.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erklärte jedoch bereits im Jahr 2006, dass Deutschland keinen Grenzwert brauche. Die Alternative, dem Verbraucher selbst die Chance zur gesunden Wahl zu geben, den Gehalt an ungesunden Fetten auf die Packung zu schreiben, lehnen Lebensmittelhersteller und Supermärkte laut BAG ab. Andere Institutionen sahen das schnell deutlich kritischer:
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) konstatierte 2007: “Eine Ernährung, die reich an trans-Fettsäuren ist, erhöht das LDL-Cholesterol im Blut und senkt das HDL-Cholesterol. Daraus resultiert ein ungünstigeres Verhältnis von Gesamtcholesterol zu HDL-Cholesterol, welches einen Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten darstellt. Neben der Cholesterolkonzentration im Blut steigt auch der Nüchternspiegel von Triglyceriden im Blut an. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass auch die Lipoprotein-a-Konzentration durch die Aufnahme von trans-Fettsäuren zunimmt. Für trans-Fettsäuren ist keine positive Funktion im Organismus bekannt. Demgegenüber sind negative Auswirkungen auf den Stoffwechsel durch ihren Verzehr eindeutig belegt.”
Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt in einem Protokoll vom Dezember 2008, der Gehalt an Transfettsäuren in industrieller Margarine betrage z. T. bis zu 50 % der Gesamtfettsäuren. “Transfettsäuren erhöhen den LDL-Cholesterinspiegel und senken den HDL-Cholesterinspiegel (deshalb sei) damit zu rechnen, dass höhere Aufnahmemengen von TFS
auch das Risiko einer koronaren Herzkrankheit steigern. (…) Die BfR-Kommission ist der Meinung, dass eine Reduktion des TFS-Gehaltes in jedem Fall, unabhängig von den aktuellen Verzehrsdaten angestrebt werden sollte.”
Andere Länder schätzen die Gesundheitsgefahren durch Transfette weit höher ein als Deutschland – auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit fand sich jedenfalls Anfang Mai 2010 kein Eintrag zu den Stichwörtern Transfett, Transfette oder Transfettsäuren. Norwegen und Österreich haben dagegen bereits Grenzwerte festgelegt. Kalifornien hat die Verwendung von Transfetten in Restaurants ab 2010 verboten.












