Olivenöl – geschätztes Nahrungsmittel und Kosmetikum seit Jahrtausenden

Dienstag, 06. April 2010
Kategorie: Pflanzliches Öl

 <i>Olivenbäume können über 1000 Jahre alt werden. Aus ihren ölreichen Früchten, den Oliven, gewinnt man das Olivenöl. Die beste Qualität von Olivenöl nennt man 'extra vergine'. </i> [Foto © Mali Veith/Visipix.com]

Olivenbäume können über 1000 Jahre alt werden. Aus ihren ölreichen Früchten, den Oliven, gewinnt man das Olivenöl. Die beste Qualität von Olivenöl nennt man 'extra vergine' oder 'extra natives Olivenöl'. Foto © Mali Veith/Visipix.com

Olivenöl hat eine lange Tradition. Kein Wunder: Olivenöl schmeckt gut, lässt sich auch auf hohe Temperaturen erhitzen, zum Braten wie für die Haut oder als Haarkur verwenden. Schon im Alten Testament fordert Gott von Moses „reines Öl aus zerstoßenen Oliven für die Leuchter“ im Tempel (3. Moses 24). Zu Homers und Sokrates’ Zeiten rieben sich die Griechen nach dem Sport mit Olivenöl ein, um ihre Haut zu pflegen. Sie schätzten es zum Braten oder Kochen genauso wie
in der Öllampe. In der gesamten Mittelmeerwelt handelte man mit Olivenöl, früher wie heute in den Qualitätsstufen extra vergine oder nativ extra. Natives Olivenöl ist kaltgepresst und enthält neben ungesättigten Fettsäuren auch wertvolle Vitamine.

Archäologische Funde versteinerter Blätter belegen, dass es den Olivenbaum bereits vor mehreren zehntausend Jahren gab, rund 4500 Jahre alte Inschriften auf Kreta sind die frühesten bekannten schriftlichen Zeugnisse von Olivenöl. Heute zählt in Griechenland etwa die Halbinsel Mani auf dem Peloponnes zu den Gegenden, in denen Olivenöl in Bio-Qualität erzeugt wird.

Olivenöl erhitzen? Kein Problem

Das Öl changiert in der Farbe von zart gelbgrün über goldgelb bis grüngolden, je nach Anteil von Carotin und Chlorophyll, und ist dank seines hohen Gehalts an einfach ungesättigten Fettsäuren und seiner Hitzestabilität aus der modernen Küche kaum noch wegzudenken.Über 175° C sollte es jedoch nicht erhitzt werden, um die Bildung von Acrylamid zu vermeiden.

Doch auch die kosmetischen Qualitäten von Olivenöl wurden seit jeher geschätzt. In den vergangenen Jahren hat man zahlreiche für die Gesundheit förderliche Aspekte des Baumöls wieder zu schätzen gelernt.

Als man forschte, weshalb in den Anrainerstaaten der Mittelmeerwelt verschiedene Erkrankungen wie etwa Herzinfarkt relativ selten sind, geriet das Olivenöl unter gesundheitlichen Aspekten wieder in den Blickpunkt – als ein wesentlicher Bestandteil der so genannten Mittelmeerdiät.

Sein hoher Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren (55 bis 85 % Ölsäure) und Vitaminen soll Herz- und Kreislauferkrankungen vorbeugen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt einfach ungesättigte Fettsäuren auch im Zusammenhang mit dem Cholesterinspiegel: sie sollen neutral oder sogar leicht cholesterinsenkend wirken.

Stiftung Warentest testet Olivenöl – Fazit: Augen auf beim Olivenöl-Kauf

28 Sorten Olivenöl hat die Stiftung Warentest im April 2010 getestet, nur vier davon haben die Qualität 'gut' (Bild  © Stiftung Warentest)

28 Sorten Olivenöl hat die Stiftung Warentest im April 2010 getestet, nur vier davon haben die Qualität 'gut' (Bild © Stiftung Warentest)

In der April-Ausgabe 2010 der Zeitschrift test hat die Stiftung Warentest sich wieder einmal mit der tatsächlichen Qualität von Olivenöl ‘nativ extra’ befasst.

Von den getesteten 28 Sorten erhielten leider nur vier die Note ‘gut’, sechs Öle stuften die Warentester dagegen als ‘mangelhaft’ ein: Portugiesisches Oliveira da Serra von Aldi Nord (Note 5), A&P von Kaiser’s Tengelmann, K Bio von Kaufland (Note 5), Belluccino von Norma (Note 5, dennoch sehr gutes Schadstoffurteil), San Centino (Note 5) sowie Baktat (Note 5,2). Insgesamt sei die Qualität eher mittelmäßig, befanden die Tester.

Doch die scharfe Beobachtung der Qualität durch Konsumenten und Tester scheint sich jedoch zumindest längerfristig bemerkbar zu machen: Zum ersten Mal seit fünf Jahren, so die Stiftung Warentest in ihrer aktuellen Pressemitteilung, waren keinerlei Weichmacher mehr in den Olivenölen nachzuweisen.

Testsieger ist ein mit 20 Euro/Liter recht kostbares Bio-Olivenöl von LaSelva (Note 2,1), gut wurde aber auch Cucina für 6 Euro/Liter von Aldi Süd (Note 2,3) sowie Gaea (Note 2,4) und Italiamo von Lidl (Aktionsware, Note 2,4) bewertet.

Olivenöl im Test: Kulinarische Qualitäten und Vorzüge für Haut und Haare

Fruchtig-olivig, leicht bitter und mit kratziger Nachschärfe darf ein hervorragendes Olivenöl schmecken – auch wenn gerade die bitteren und kratzigen Aromen, die gerade bei der höchsten Ölqualität „nativ extra“ vorkommen, in Deutschland nicht unbedingt geschätzt werden.

Ob mild oder würzig: das leicht verdauliche Olivenöl verleiht Speisen einen einzigartigen Geschmack und verträgt sich hervorragend mit kräftigen Kräutern und Gewürzen. Knoblauch und Zwiebeln, Rosmarin und Thymian harmonieren prächtig mit dem Olivenaroma des gesunden Öls, das z.B. beim Braten Fisch und Fleisch eine besondere Würze verleiht.

Wer seinen Geschmack liebt, genießt das fruchtige Öl wie die Italiener „aglio olio“, also nur mit leicht angebratenem Knoblauch vermischt und als Sauce über Spaghetti gegossen. Der römische Feinschmecker Apicius, der im 3. oder 4. Jh. n. Chr. lebte, erwähnt in seinem Kochbuch als Leckerei gebackene Pfirsiche mit Olivenöl, und auch Saubohnenpürree würzt er mit dem flüssigen Gold der Oliven.

Olivenöl enthält natürliche Antioxidantien wie Vitamin A und Vitamin E – die Kenntnis der Radikalenfänger macht uns heute verständlich, was man in Griechenland aus Erfahrung wusste: Olivenöl pflegt die Haut und schützt sie auch vor der Sonne. Es mindert Fältchen, macht die Haut zart und gleichzeitig straff und schützt sie vor dem Ausrocknen.

Kein Wunder, dass auch die Kosmetikindustrie das Öl aus den Oliven einsetzt: Olivenöl Creme, Haarkur mit Olivenöl und sonstige Pflegeprodukte auf Basis von Olivenöl sind seit einiger Zeit sehr begehrt.

Rezept: Griechischer Hirtensalat

Köstlich ist ein griechischer Hirtensalat, der mit reichlich frischem Olivenöl ganz ohne Gewürze auskommt: Bunte Gemüsepaprika, Tomaten, Zwiebeln und Gurken einfach in Streifen oder Stücke schneiden und großzügig in reichlich Olivenöl z. B. von der Halbinsel Mani oder von Kreta ein bis zwei Stunden ziehen lassen – fertig ist ein aromatisches, gesundes Mittagessen für die heiße Jahreszeit. Wer mag, kann natürlich noch etwas Zitrone oder Essig als Säurespender zugeben, aber das ist eigentlich nicht nötig.

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