Mispeln – vergessene Wildfrucht Mispel (Mespilus germanica)

Blüte und Frucht der Echten Mispel (Mespilus germanica), Illustration von Jacob Sturm aus dem Jahr 1796
Blüte und Frucht der Echten Mispel (Mespilus germanica), Illustration von Jacob Sturm aus dem Jahr 1796

Mispeln: Kaum jemand weiß noch etwas mit dem Namen und der Frucht anzufangen, obwohl die Mispelfrüchte im Mittelalter begehrt waren und in Klostergärten gezüchtet wurden. Die Echte Mispel (Mespilus germanicus) gehört wie so viele essbare

Pflanzen zu den Rosengewächsen und ist mit dem Apfel verwandt. Der Strauch trägt von Mai bis Juni weiße, bis zu fünf Zentimeter große Blüten und eignet sich als Wildobst für den Hausgarten. Erst ab November kann man die bräunlichen, bepelzten Mispelfrüchte ernten, die dann aber noch steinhart sind. Hier gibts ein super Foto von Mispeln oder ‚Hundsärsch‘, wie sie auch recht drastisch genannt werden.

Der Pfälzer Botaniker Hieronymus Bock schreibt in seinem Kräuterbuch von 1546 über die Nespelen, wie ersie nennt: „blüet weiß am end des Aprillen/ etwan im Meien/ ein jede weisse blum aber/ so sich der Mandelblüet vergleichet/ stehen allein/ vast wie die blumen am Quitten baum/ doch von farben weisser/ daraus werden mit der zeit gantz runde grawe öpffelin/ ein jeder mit fünff grüner spitzlin am butzen/ der vergleicht sich einem nabel anzusehen/ werden langsam zeitig/ seind nicht zu essen von wegen jrer rauchheit/ biß das sie weich werden.“

Wie für viele Wildfrüchte ist für Mispeln, die man auch unter den Namen Hespeln, Asperln oder Nespeln antreffen kann, der Frost wichtig. Er macht die rohen Früchte genießbar – vorher hart und zusammenziehend, werden sie durch die Kälte teigig-weich und schmecken aromatisch und leicht sauer. Am besten sind sie zu verwenden, wenn das Fruchtfleisch bereits braun wird.

Wer Wildobst oder seltene Obstarten im eigenen Garten pflanzen will, findet in diesem Buch gute Ratschläge.
Wer Wildobst oder seltene Obstarten im eigenen Garten pflanzen will, findet in diesem Buch gute Ratschläge.

Die walnussgroßen, pektinhaltigen Früchte lassen Marmeladen gut gelieren – neben dem Geschmack ein weiterer Grund, weshalb unsere Vorfahren die von den Römern mitgebrachten Früchte schätzten. Außer Pektin enthalten die Mispeln natürlich Fruchtsäuren, Zucker und Bor.

Wegen des Namens werden die Mispeln manchmal verwechselt – entweder mit den Misteln, einer halbschmarotzenden, nicht genießbaren Pflanze, die gern auf Obstbäumen siedelt, oder mit der Zwergmispel (Cotoneaster).

Wer plant, Mispeln im eigenen Garten zu pflanzen, findet bei Gartentechnik ein paar Informationen zu Anbaubedingungen und veredelten Mispelsorten. Auch dieses Buch hilft weiter:

Rezept für Mispelgelee

Die walnussgroßen Mispeln haben ein ganz eigenes Aroma – wer das Glück hat, einen Mispelbaum im Garten oder am Waldrand in greifbarer Nähe zu haben, sollte sich einmal einen besonderen Gelee gönnen.

Für einen leuchtend roten, durchscheinenden Mispelgelee macht man zunächst einen Mispelsaft: Man kocht 1,5 Kilogramm reife, weiche Mispelfrüchte mit zwei Litern Wasser ein bis zwei Stunden über kleiner Flamme, bis das Wasser den Geschmack gut angenommen hat und die Mispeln verkocht sind. Nun seiht man – wie bei Quittengelee auch – den Saft durch ein Tuch ab. So bleibt er schön klar.

In einem großen, flachen Gefäß, vielleicht sogar einer Pfanne mit hohem Rand, kocht man nun den Mispelsaft mit Zucker im Verhältnis 1:0,75. Das wären bei 1000 Millilitern Mispelflüssigkeit also 750 Gramm Zucker.

Jetzt wird es für eine Weile etwas mühsam: Damit der Gelee seine schöne Farbe bekommt, muss er fast eine Stunde lang kochen, immer wieder abgeschäumt und dabei natürlich auch immer schön gerührt werden, damit nichts anbrennt. Und das bis zur Geleeprobe. Dann füllt man den Gelee noch heiß in saubere Gläser.

Wer experimentierfreudig ist, kann ja auch einmal versuchen, aus den Fruchtresten Mispelkonfekt herzustellen. Dazu drückt man die abgeseihten Reste durch ein Sieb oder püriert sie kurz im Mixer. Nun streicht man den Brei dünn auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech und lässt ihn im Ofen bei geringer Hitze durchtrocknen. Den getrockneten Fruchtbrei scheidet man in Stücke, die man nach Belieben z. B. in Zimtzucker wälzt.

Interessant ist auch ein historisches Rezept aus England: eine Mispel-Tarte aus dem berühmtesten englischen Kochbuch des 17. Jahrhunderts, Robert Mays “The Accomplisht Cook or the Art and Mystery of Cookery” (1660). Die Mengenverhältnisse sind bislang noch nicht getestet…

Rezept für Mispel-Tarte nach Robert May (1588-1665)

„Nimm verrottete Mispeln, passiere sie und setze sie aufs Feuer. Würze sie mit Zucker, Zimt, und Ingwer und rühre einige Eigelbe unter und lass es einige Zeit kochen. Dann streiche die Masse auf die Tarte; wenn sie gebacken ist, bestreu sie mit etwas Zucker.“

5 Kommentare

  1. Ich habe gestern Mispelbärchen ausprobiert:

    120ml Mispelsaft, 120g Zucker, 2 g Zitronensäure und 3g Agar-Agar unter vorsichtigem Rühren aufgekocht, 4 Minuten Kochen lassen, auf Körpertemperatur abkühlen lassen und dann in ein Stärkebett gegossen, in dem ich vorher Figuren eingestanzt habe. 3 Stunden im Kühlschrank stellen. Das Fruchtkonfekt hat die Konsistenz von Geleefrüchten und schmeckt schön intensiv.

  2. Ich habe heute einen Mispelstrauch endeckt, es hängen ziemlich viele Mispeln dran
    die alle recht ordentlich aussehen, sie sind weich und die Farbe außen ist dunkelbraun
    und innen etwas heller braun. sin diese Früchte noch Verwenbar.
    mit freundlichen Grüßen
    Klaus Schmid

  3. Hallo Klaus Schmid,
    wenn die Früchte nicht schimmelig sind und noch nicht gären, sollten sie jetzt nach dem Frost eigentlich optimal sein für die Weiterverarbeitung. In alten Rezepten heißt es ja, man solle warten, bis sie weich sind, bevor man sie ißt. Das englische Rezept für eine Mispel-Tarte klingt z. B. lecker. Viel Vergnügen beim Ausprobieren… und versuchen Sie die Früchte nur, wenn Sie wirklich sicher wissen, daß es Mispeln (Mespilus germanica) sind.

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