Wer nicht gut hören kann, kann oft mit modernen Hörgeräten sein Resthörvermögen steigern. Bonebridge heißt eines der modernsten Hörgeräte, das vielen Schwerhörigen Besserung verspricht.
Die schlechte Nachricht zuerst: das neuartige Implantat namens Bonebridge ist nicht für jeden geeignet. Die gute Nachricht: bei Schalleitungs-Schwerhörigkeit, die durch Fehlbildungen im Ohr oder eine schwere Mittelohrentzündung verursacht ist, kann dieses moderne Hörgerät die Hörfähigkeit deutlich steigern.
Schwerhörigkeit schließt den Betroffenen von vielen sozialen Interaktionen aus, macht oft einsam und/oder mißtrauisch und erschwert das Alltagsleben ganz ungemein.
Hörgeräte verbessern Resthörvermögen
Hörgeräte helfen schon seit Jahren, diese gesundheitliche Störung auszugleichen und der Fortschritt macht sich auch bei der Hörgerätetechnik bemerkbar. Kleiner und leichter sind die Apparate bereits geworden, doch bei starker Schwerhörigkeit reichen die bekannten Hörgeräte, die direkt in der Ohrmuschel sitzen, nicht aus.
Sogenannte „Knochenleitungshörsysteme“ werden in diesen Fällen implantiert und leiten die aufgefangenen akustischen Signale als Schwingungen von außen auf die Knochen des Mittelohres.
Der Nachteil der bisherigen Hörgerätesysteme: Bislang musste durch die Haut hinter dem Ohr eine operative Verbindung von Implantat am Knochen und Signalempfänger außen geschaffen werden – durch eine Schraube. Diese ständige Wunde sorgt für Komplikationen, außerdem stört es verständlicherweise viele, daß diese Schraube aus dem Kopf herausragt.
Bonebridge-Hörgerät bringt Innenohrknochen zum Schwingen
Doch jetzt macht ein spezielles Hörgerät diese Verbindung durch die Haut hindurch überflüssig: Bonebridge, zu Deutsch ‚Knochenbrücke’, ist der Name der neuartigen Hörhilfe.
Sie wandelt Schall in Schwingungen um und überträgt diese auf dem Weg über die Schädelknochen an die Innenohr-Knochen. Von dort erhält dann der Hörnerv seine Impulse – fast wie beim gesunden Hören.
Implantat mit innerer und äußerer Komponente
Bonebridge besteht aus zwei Teilen. Die eine Komponente des Implantatsystems wird bei einem chirurgischen Eingriff direkt im Knochen des Schädels verankert. Die zweite Komponente ist ein externer Audioprozessor, der von außen mit Hilfe eines Magneten befestigt wird – so bleibt die Haut intakt, anders als bei den herkömmlichen Geräten.
Der Audioprozessor, so groß wie eine Euromünze, fängt den Schall auf, wandelt ihn um und gibt ihn als Signale weiter an das Implantat im Inneren.
Dort wiederum werden mechanische Schwingungen des Knochens erzeugt, die direkt an das Innenohr weitergeleitet werden. Wie beim natürlichen Hören wird dann der Hörnerv von den Frequenzen zwischen 250 und 8.000 Hertz gereizt.
Implantiert wurde Bonebridge erstmals von Prof. Dr. Georg Sprinzl an der Universitäts-HNO-Klinik Innsbruck – mit guten Erfahrungen.
Das Knochenleitungsimplantat kann bei Schalleitungs-Schwerhörigkeit, die durch Fehlbildungen im Ohr oder eine schwere Mittelohrentzündung entsteht, das Hörvermögen deutlich verbessern und so die Lebensqualität drastisch steigern.
„Voraussetzung für den höchstmöglichen Hörnutzen ist ein gewisses Resthörvermögen“, aber Bonebridge kann „auch bei Fehlbildungen des Hörapparates wie z. B. einer nicht vorhandenen Ohrmuschel oder Gehörgang“eingesetzt werden, informiert das Hörzentrum Hannover.
Nur eine OP nötig, ansonsten fast unsichtbar und nicht störend
Der Vorteil von Bonebridge liegt klar auf der Hand: Nur eine maximal einstündige Operation ist nötig, um das Implantat einzusetzen, es entfallen weitere chirurgische Eingriffe, um den Schall einfangenden Teil des Gerätes ebenfalls zu integrieren und dabei die Haut dauerhaft zu durchdringen.
Hautirritationen und Komplikationen, die bei den herkömmlichen Implantaten auftraten, werden so zum großen Teil vermieden. Der Audioprozessor wird durch das Haar verdeckt, nichts stört den Ohrkanal und auch optisch fühlen sich die Patienten nicht belastet.
Die Batterien, die nach fünf bis sieben Tagen ausgetauscht werden müssen, befinden sich im äußeren Teil, dem Audioprozessor – die Handhabung ist also denkbar einfach und erfordert keine weiteren Eingriffe.
Sollten neue, bessere Signalverarbeitungsprogramme entwickelt werden, kann der Audioprozessor unproblematisch ausgetauscht werden – die Patienten können so immer den neuesten Stand der Hörtechnik nutzen, ohne dass dafür Operationen nötig würden.
Weitere Informationen
A.M. Huber, J.H. Sim, Y.Z. Xie, M. Chatzimichalis, O. Ullrich, C. Röösli: The Bonebridge: Preclinical evaluation of a new transcutaneously-activated bone anchored hearing device. in: Hearing Research, im Druck, online seit 1. März 2013
V. Koci, A. Wofl-Magele, J. Schnabl, G. Sprinzl: Erste Ergebnisse zur Schalllokalisation bei einseitiger Bonebridge. 2012
Interview mit Prof. Dr. Georg Sprinzl (Universitäts-HNO-Klinik Innsbruck) bei schnecke-online.de 2012
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