Klingeln im Ohr oder andere Ohrgeräusche werden meist gleich für Tinnitus gehalten – aber es könnte sich auch um ein Symptom einer anderen, schweren Erkrankung handeln: Morbus Menière.
Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs. Symptome sind z. B. anfallartig auftretender Drehschwindel mit Übelkeit, einseitige Ohrgeräusche sowie Hörstörungen.
Unser Ohr ist nicht nur zum Hören da. Dass es noch andere Funktionen und Aufgaben wahrnimmt, nehmen wir jedoch meist erst wahr und ernst, wenn es zu Störungen kommt. Es stellen sich Schwindelgefühle ein, wir hören ein Rauschen, Brummen oder Sirren und manchmal wird uns richtig übel.
Manche dieser Symptome bringen wir sofort mit unserem Gehör in Verbindung, doch oft dauert es eine Weile, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Eine der sehr ernsten Erkrankungen des Ohres ist Morbus Menière, benannt nach dem französischen Arzt Prosper Menière (1799–1862), der die beobachteten Symptome als erster zu einem typischen Krankheitsbild zusammensetzte.
Verlauf von Morbus Menière
Nicht jede Ohrenerkrankung, die mit Schwindel und/oder Ohrgeräuschen einhergeht, ist ein Morbus Menière. Im Gegensatz zu anderen Störungen des Innenohres ist diese eher seltene Krankheit bisher nicht vollständig heilbar. Neuerkrankungen finden meistens im Alter zwischen 30 und 40 Jahren statt mit einer geschätzten Häufigkeit von 1:1000 in den Industrienationen.
Oft ist zunächst nur ein Ohr betroffen, im Laufe der Jahre erkrankt dann auch das andere. Im Frühstadion zeigen sich manchmal nur Druckgefühle, die später an Intensität gewinnen und schwere Übelkeit und heftige Schwindelattacken nach sich ziehen.
Auch das Hörvermögen wird im Laufe der Jahre beeinträchtigt. Kommt es zu Beginn manchmal nur zu vorübergehender Verschlechterung des Gehörs mit Rekonvaleszenz zwischen den Anfällen, so stellt sich irgendwann keine Verbesserung mehr ein und bleibende Schwerhörigkeit schleicht sich ein.
Stress als möglicher Auslöser von Morbus Menière
Manchen Erkrankten überfallen die Schübe plötzlich und heftig, so dass es zu regelrechten Zusammenbrüchen kommen kann. Jede Bewegung löst schwersten Schwindel, Schweißausbrüche und Erbrechen aus. Schwer Betroffene können es deshalb nicht wagen, sich ans Steuer eines Autos zu setzen.
Ursache für die Beschwerden ist eine Erhöhung des Drucks im Innenohr durch die Vermehrung der Lymphflüssigkeit. Durch den Überdruck reißt eine Membran, in der sich die Hör- und Gleichgewichtszellen befinden. Der plötzliche Druckabfall regt diese Zellen heftig an und verursacht so die Schwindel und Übelkeitsgefühle.
Was die schubweise Vermehrung der so genannten Endolymphe selbst auslöst, ist letztlich nicht bekannt. Psychischer Stress, Erregung, Überlastung – die Auslöser ähneln denen der Migräne.
Manchmal kommt es zum Zusammentreffen beider Krankheiten, allerdings konnte bisher noch kein ursächlicher Zusammenhang festgestellt werden. Manche Forscher vermuten auch Verarbeitungsprobleme im Mittelohr als Ursache des Morbus Menière.
Diagnose von Morbus Menière
Diagnostiziert wir die Menière-Krankheit mit Hilfe von Hörtests, Messung der Nervensignalübertragung vom Ohr zum Gehirn (Hirnstammaudiometrie oder BERA-Untersuchung), teils auch mit Magnetresonanz- oder Computer-Tomographie CTP und natürlich anhand der typischen Symptome: mehrere Schwindelanfälle, die mindestens eine Viertelstunde andauern und einseitig schlechteres Hörvermögen.
Linderung ist möglich
An einer erfolgreichen Therapie für Morbus Menière wird noch geforscht – absolut erfolgreiche Therapien gibt es derzeit leider noch nicht, wenn auch die Symptome medikamentös gelindert werden können. Vereinzelt wird in sehr schweren Fällen eine Operation vorgenommen, eine so genannte Saccotomie, um eine Druckentlastung herbeizuführen , aber nur selten bessert sich die Krankheit dadurch dauerhaft.
Photobiomodulation, auch Low Level Laser Therapy (LLLT) oder Laser-Biostimulation genannt, wird ebenfalls als Therapie getestet.
Die gängigste Behandlungsmethode ist die lindernde Akuttherapie mit blutverdünnenden Mitteln, Antibiotika, Cortison, Tranquilizern und Mitteln zur Bekämpfung des Brechreizes.
Alternativ sollte man jedoch unbedingt Stressbewältigungstrainings nutzen, um die auslösenden Faktoren so gut wie möglich zu reduzieren. Zusätzlich empfiehlt sich spezielles Training des Gleichgewichtssinns, damit das gesunde Ohr schneller die Funktion übernimmt und der Alltag auf diese Weise sicherer wird.
Unterstützung und Informationen bieten vor allem Selbsthilfegruppen wie etwa Kontakte und Informationen zu Morbus Menière e.V. , die Deutsche Tinnitus-Liga oder Seiten von Betroffenen wie etwa morbus-meniere.org. pm
Weitere Informationen
Roberto Teggi et al.: Low-Level Laser Therapy for control of vertigo in Ménière Disease: a pilot study on 10 patients. (ca. 2006)
Helmut Schaaf: Morbus Menière: Schwindel – Hörverlust – Tinnitus – Eine psychosomatisch orientierte Darstellung. 7., vollst. überarb. Aufl. 2012 .
Webseite des Arztes und Betroffenen Dr. Helmut Schaaf mit zahlreichen Informationen und links zu weiteren Veröffentlichungen
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