Sommerzeit ist Badezeit – und viele Leute lieben es, in Badeweihern herumzuplanschen, zu schwimmen und die Zeit zu genießen. Doch manchmal lauern heimtückische Viecher in den Gewässern, die einen an Gruselmärchen aus den Tropen erinnern. Wer in Moorseen schwimmt, muss mit Blutegeln rechnen – und im ganz normalen Baggerweiher können die Auslöser der Badedermatitis lauern.
Wenn die Haut nach dem Badeausflug an den heimischen Badesee mit Pusteln reagiert und juckt wie verrückt, hat man sich vielleicht eine Badedermatitis eingefangen.
Die Badedermatitis (auch Zerkarien-Dermatitis, Cercariendermatitis, Wasserhibbeln oder Hundsblattern genannt) hat zugeschlagen und versetzt einen leicht in Aufregung, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Doch keine Angst, diese Hauterkrankung ist zwar lästig, aber in den meisten Fällen verläuft sie völlig harmlos. Schuld an dem juckenden Ausschlag sind kleine Wurmlarven, die sich einfach nur verirrt haben!
Wenn sich der Wurm verirrt: Zerkarien-Dermatitis
Bestimmte Saugwürmer (Trematoden), z. B. die Gabelschwanzzerkarien, leben im Darm von Enten und anderen Wasservögeln. Über deren Kot gelangen Wurmeier ins Wasser. Die schlüpfenden Larven nisten sich in Süßwasserschnecken, z. B. Spitzschlammschnecken, ein, reifen dort heran und vermehren sich.
Die nächste Generation der Larven, Zerkarien genannt, macht sich dann wieder auf die Suche nach Enten, um den Kreislauf zu schließen.
Manche Zerkarien verirren sich jedoch auf der Suche nach diesem Endwirt – sie bohren sich unpraktischerweise in die Haut eines gerade vor ihrer Nase badenden Menschen hinein. Dort können sie aber nicht überleben und sterben nach kurzer Zeit ab. Der Mensch merkt davon zunächst kaum etwas, da es nur ein leichtes Prickeln und eine kleine kurzzeitige Rötung gibt.
Symptome einer Zerkarien-Badedermatitis
Nach diesem Erstbefall ist der Körper jedoch sensibilisiert und reagiert bei erneutem Eindringen von Zerkarien mit Abwehrhandlungen: Nach 10 bis 25 Stunden bilden sich heftig juckende, Mückenstich-ähnliche Quaddeln von 3 bis 8 mm. Nach einigen Tagen vergeht der Juckreiz, und die Pusteln heilen nach 10 bis 20 Tagen wieder ab.
Wenn die Quaddeln aufgekratzt werden, kann es zur Sekundärinfektion durch eindringende Keime kommen. In seltenen Fällen reagieren hypersensible Personen mit starken allergischen Reaktionen wie Schock oder Fieber.
Wie wird eine Badedermatitis behandelt?
Eine absolut sichere Diagnose ist im Verdachtsfall nur nach einer Blutuntersuchung (Intrakutantest mit Schistosoma-Hauttest-Antigen; Antikörpernachweis im Serum ca. 10-14 Tage nach der Infektion) und einer Untersuchung des verschmutzten Wassers möglich. Allerdings werden solch aufwändige Untersuchungen selten veranlasst, da therapeutisch kein besonderen Handlungsbedarf besteht.
Die Gabelschwanzlarven sterben unter der Haut ab, deshalb werden nur die lästigen Symptome behandelt. Antihistaminika unterdrücken den Juckreiz. Im Bedarfsfall müssen Infektionen behandelt werden, die durch ein (möglichst zu vermeidendes!) Aufkratzen entstehen. Bei allergischen Reaktionen wie Fieber, Übelkeit oder Schwindel sollte man sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.
Wie kann man sich vor Badedermatitis schützen?
Einen absoluten Schutz vor der Badedermatitis gibt es leider nicht. Man kann das Risiko aber minimieren, indem man Badeplätze meidet, in deren Nähe Enten anzutreffen sind. Sich vor dem Baden dick mit fetthaltiger Creme einzureiben, kann den Zerkarien das Eindringen erschweren.
Da die Schnecken und damit auch die Zerkarien hauptsächlich in Ufernähe und im flachen Wasser anzutreffen sind, sollte man nach Möglichkeit an tiefere Stellen hinausschwimmen. Im Anschluss an das Baden ist sofortiges Wechseln der Kleidung und ein kräftiges Abtrocknen ratsam.
In vielen Badegebieten laufen Untersuchungen, wie durch gezielte Eingriffe die Menge der Zerkarien eingedämmt werden kann. Ein Gewässer ist jedoch ein komplexes ökologisches System und jede Bekämpfungsmaßnahme kann weitreichende und nicht wünschenswerte Folgen haben.
Die Enten von den Badeplätzen fernzuhalten, gestaltet sich fast unmöglich. Sinnvoller wird wohl der Einsatz von Räubern und Parasiten wie Wasserkäfern, Libellenlarven oder Larven von Netzfliegen sein, um die Schneckenpopulation zu reduzieren.
Ein Tipp: Vermeiden Sie es, Wasservögel an Badeplätzen zu füttern – so helfen Sie mit, die Kotverschmutzung des Wassers und damit die Anwesenheit von Zerkarien zu verringern.
Das Umweltministerium von Rheinland-Pfalz informiert: „Besonders viele Zerkarien treten im Flachwasser auf, wenn auf einige kühlere und trübere Tage ein Schönwettertag folgt, da diese dann synchron von den Schnecken ausgestoßen werden. Sie können in der Regel nur drei Tage im Wasser überleben. Besonders zu Beginn einer Schönwetterperiode sollte man besonders aufmerksam sein, und bei ersten Anzeichen, dass das Gewässer betroffen ist, auf das Badevergnügen lieber verzichten.“
Übrigens können auch Hunde Badedermatitis bekommen, wie man auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Veterinärdermatologie nachlesen kann.
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