Hagebutten liefern Vitamin C gegen Erkältungen – sind sie auch gut gegen Arthrose?

Hagebutten sind reich an Vitamin C (Foto © MS)
Hagebutten sind reich an Vitamin C (Foto © MS)

Dass der Herbst naht, erkennt man – noch bevor sich die ersten Blätter verfärben und abfallen – schon daran, dass sich die Hagebutten erst gelb und dann orangerot färben. Die Rosenfrüchte gibt es in vielerlei Schattierungen von Rot, vereinzelt kann man sogar Sorten mit schwarzgefärbten Hagebutten entdecken. Die leuchtenden Früchte machen sich nicht nur gut als Zierde in einem herbstlichen Strauß.

Sie sind auch ein begehrtes Vogelfutter, und wenn es im Garten plötzlich heftig tschilpt und zwitschert, muss nicht die räuberische Hauskatze die Ursache sein: Der Streit um die leckeren Früchte lässt niedliche Singvögel zu zänkischen, Schnabelhiebe verteilenden Furien mutieren.

Was den Vögeln schmeckt, ist auch den Menschen seit Urzeiten als gesunde und wohlschmeckende Frucht bekannt. Mühsam ist es nur, die kleinen Kerne und vor allem die feinen, nadeligen Samenhärchen aus den Hagebutten zu entfernen. Nicht umsonst haben wir sie uns als Kinder gegenseitig in den Kragen gesteckt – das ‚Juckpulver’ macht seinem Namen alle Ehre.

Doch die Mühe des Hagebuttensäuberns lohnt sich, denn die Rosenfrüchte schmecken aromatisch süß-säuerlich und sind gute Vitamin C-Lieferanten – Vitamin A, B1 und B2 enthalten sie ebenfalls. Das Carotinoid Lycopin verleiht ihnen ihre schöne rote Farbe. Lycopin zählt zu den sekundären Pflanzenstoffen und ist ein guter Radikalenfänger. Es soll außerdem vorbeugend gegen Krebs wirken.

Hagebuttenpulver gegen Arthrose?

Ein Nahrungsergänzungsmittel aus der Hundsrosenart Rosa canina ssp. Lito unter dem Markennamen „Litozin“ soll für „beweglichere Gelenke“ sorgen, wie es auf der Website des herstellenden Pharmaunternehmens heißt.

In der im Internet verbreiteten Werbung heißt es, das in dem Hagebuttenpulver durch besonders schonende Behandlung enthaltene Galactolipid mit dem Markennamen „GOPO“ (ein Kürzel für den ellenlangen chemischen Namen) sei in dieser Rosenart und in dem aus den Früchten standadisiert hergestellten Pulver besonders reichlich enthalten.

Die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studienübersicht von Sigrud Chrubasik et al.: Zur antientzündlichen Wirksamkeit von Pulver aus der Hagebutte (Zeitschrift für Phytotherapie 2009; 30:227-231; hier als PDF) lesen sich deutlich nüchterner.

Zwar sprächen die Resultate bisheriger Studien zur Wirkung von Litozin für eine antientzündliche Wirkung, doch wegen Unstimmigkeiten bei den betrachteten – derzeit noch wenigen – Studien stufen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Freiburg und Bad Nauheim die Wirksamkeit des Pulvers bei Arthrose als „mäßig“, bei entzündlichem Rheuma oder Rückenbeschwerden als „schlecht“ ein (S. 227). Die Studienleiter empfehlen dringend weitere Studien für eine sinnvolle Einschätzung der Wirksamkeit.

Interessant wäre ja auch, nicht nur die Wirkung von Pulver aus dieser Rosenart, sondern auch aus anderen Rosenarten zu prüfen – es läßt sich derzeit nämlich im Internet kein Beleg dafür finden, daß diese Rosen mehr von dem oder den wirksamen Inhaltsstoffen enthält.

Denn Galaktolipide sind z. B. reichlich in der Membran von Chloroplasten – also den Photosynthese-Organen – grüner Gemüsearten enthalten (siehe Dörmann/Benning: Galactolipids rule in seed plants.

Hagebutte trocknen – als Knabberei und für Tee

Als Kind habe ich mir gern die Schalen der dickfleischigen Kartoffelrosen (mancherorts heißen sie auch Apfelrosen, gemeint ist die kräftig pink blühende Rosa rugosa) getrocknet und sie dann als Leckerbissen zwischendurch geknabbert. Eigentlich macht man aus der fleischigen Schale, aber auch aus den Kernen, den säuerlichen roten Hagebuttentee.

Köstlich schmeckt aber auch eine Hagebuttenmarmelade – bei den Schwaben ‚Hägemark’ genannt. Man sammelt die reifen Früchte traditionell nach dem ersten Frost, dann sollen sie am besten sein. Wenn sich aber die Vögel schon darum zanken und sie fürchten, dass nicht mehr genug am Strauch bleibt, pflücken sie die Butten ruhig schon früher, man kann den Frost ja im Gefrierschrank erzeugen…

Rezept für Hagebuttenmarmelade

Ein super einfaches Rezept für Hagebuttenmarmelade lässt sich auch noch prima im Kopf behalten: Man nimmt Hagebutten, Zucker, Wasser und frischgepressten Zitronensaft im Verhältnis 4 zu 2 zu 1 zu ‚nach Geschmack’. Also beispielsweise 500 Gramm Hagebutten, 250 Gramm Zucker, 125 Milliliter Wasser und den Saft einer halben Zitrone (oder mehr, wenn man es saurer mag).

Zunächst putzt man die Hagebutten: Dazu schneiden Sie die Stiele und Blütenansätze der Früchte ab. Nun die ‚Häge’ halbieren und entkernen, das geht mit einem kleinen Eislöffel ganz gut, und dann mit reichlich Wasser waschen, damit die stacheligen Härchen abgespült werden.  Tipp: Wer empfindlich ist, sollte fürs Putzen unbedingt dünne Gummihandschuhe tragen, die Härchen können sonst eine echte Plage sein.

Nun die Hagebutten mit dem Wasser und dem Zitronensaft kochen, bis sie weich sind. Für eine exotische Variante kochen Sie einfach ein kleines Stück frischen Ingwer mit. Dann die Früchte (ohne den Ingwer) entweder durch ein Sieb streichen oder – so geht’s schneller – mit dem Pürierstab fein pürieren.

Dieses Hagebuttenmark gibt man wieder in den Topf und kocht es mit dem Zucker auf, bis es die Gelierprobe besteht. Dann in Marmeladengläser füllen und genießen…

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