Wer an einer Gonorrhoe-Infektion erkrankt, redet meist nicht darüber, da er sich sonst eines belustigten Lächelns des Gegenübers sicher sein kann: Der Tripper bringt dem Betroffenen neben unangenehmen Symptomen kaum Mitleid ein, sondern zumeist Spott. Die Geschlechtskrankheit gilt auch heute noch als Zeichen eines allzu ausgelassenen und unbesorgten Geschlechtslebens – was sie ja tatsächlich auch ist.
Tripper – eine der häufigsten Infektionskrankheiten
Weltweit gehört der Tripper, die allgemein gebräuchliche Bezeichnung für die bakterielle Geschlechtskrankheit Gonorrhoe – zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Die Zahlen, die in Veröffentlichungen genannt werden, variieren stark, da mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden muss und nicht jede Erkrankung als solche erkannt wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von rund 60 Millionen Neuerkrankungen jährlich aus.
Auch in Deutschland werden die erfassten Fälle von maximal 20.000 Tripper-Erkrankten nur die Spitze des Eisberges sein, da mit der Einführung des Infektionsschutzgesetztes 2001 die Meldepflicht für Gonorrhoe aufgehoben wurde. Wenn wir beim Tripper von einer Geschlechtskrankheit sprechen, so ist das berechtigt: Die Ansteckung erfolgt fast ausschließlich beim Sexualkontakt.
Symptome bei Gonorrhoe
Die ursächlichen Bakterien Neisseria gonorrhoeae, allgemein Gonokkokken genannt, sind auf den Schleimhäuten zu finden, befallen neben Geschlechtsorganen und Harntrakt auch den Anal- und den Mund/Rachenbereich, abhängig von den jeweiligen Sexualpraktiken.
Die Inkubationszeit ist kurz, bereits nach zwei bis fünf Tagen zeigen sich erste Symptome – sofern überhaupt Symptome auftreten.
Denn das macht den Tripper zur heimlichen Bedrohung: Bei Männern treten bei 25 Prozent, bei Frauen sogar bei der Hälfte der Fälle keine deutlichen Symptome auf, so dass es durch ausbleibende frühzeitige Behandlungen zu chronischen Erkrankungen kommen kann.
Mit Trippersymptomen sofort zum Arzt
Wer Symptome wie Rötungen, Entzündungen, Brennen beim Wasserlassen, Harndrang und wässrigen Ausfluss bemerkt, kann beim Arzt durch einen Abstrich und das Anlegen einer Bakterienkultur schnell Gewissheit erlangen und hat durch den Einsatz von Antibiotika sehr gute Heilungschancen.
Allerdings macht sich auch bei den Tripper-Bakterien eine fortschreitende Antibiotika-Resistenz bemerkbar, sodass die differenzierte Eingrenzung auf den jeweiligen Erreger wichtig ist.
Ohne Behandlung nimmt eine Tripper Infektion schnell einen akuten oder chronischen Verlauf: Beim Mann sind Prostata, Nebenhoden und Hoden bald schmerzhaft infiziert, bei der Frau weitet sich die Entzündung auf den Gebärmutterhals aus und Unfruchtbarkeit droht am Ende beiden Geschlechtern.
Eine Impfung gibt es nicht – das Benutzen von Kondomen oder der Verzicht auf häufig wechselnde Sexualpartner ist die wirksamste Vorbeugung gegen eine Tripperinfektion.
Ansteckung mit Gonorrhoe auch bei der Geburt möglich
Nicht unerwähnt bleiben darf aber ein weiterer Infektionsweg, der zur sogenannten Gonoblennorrhoe führt, einer schweren Augenentzündung: Gonokkoken können während der Geburt auf ein Kind übertragen werden, wenn die Schwangere am Tripper erkrankt ist.
Dem Baby drohen Hornhautgeschwüre, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Spezielle antibiotikahaltige Augentropfen werden dem Kind deshalb präventiv verabreicht und haben die früher üblichen Silbernitratlösungen abgelöst. Bis noch vor rund zwanzig Jahren war diese Credé-Prophylaxe in Deutschland sogar gesetzlich vorgeschrieben. pm
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