Chufanüsse: Mandeln aus der Erde

Chufanuss oder Erdmandel: Essbares Unkraut (Foto: © Tamorlan, CreativeCommons 3.0)
Chufanuss oder Erdmandel: Essbares Unkraut (Foto: © Tamorlan, CreativeCommons 3.0)

Mancher Bauer seufzt nur noch, wenn er das Stichwort Erdmandeln hört. Denn dieses mit dem Papyrus verwandte Gras ist ein lästiges Ackerunkraut, das sich Maisäckern oder Blumenfeldern breit macht. Aber dennoch erlebt die Erdmandel oder Chufanuss (Cyperus esculentus) gerade eine kleine Renaissance. Denn die wohlschmeckenden Wurzelknöllchen sind vielseitig verwendbar: Man kann sie als Snack knabbern, ins Müsli werfen oder als Gemüse kochen.

Die leckeren Knöllchen sind etwa so groß wie Haselnüsse. Man kann sie sowohl roh als auch gekocht und gebraten verspeisen. Für Frauen, die ja häufiger unter Eisenmangel leiden, sind sie besonders interessant: In 100 Gramm Erdmandeln sind rund 250 Milligramm Eisen, 45 Milligramm Calcium, 27 Milligramm Phosphor und sechs Gramm Fett enthalten. Außerdem liefern sie reichlich Ballaststoffe und sorgen so für eine gute Verdauung.

Erdmandel – vergessenes und wiedergefundenes Lebensmittel

Zwar wurde die Tigernuss, wie sie auch genannt wird, bereits im 16. Jahrhundert vereinzelt in Deutschland angebaut, doch erst Ende des 18. Jahrhunderts kam man wirklich auf den Geschmack.

1798 stellte sie in Karlsruhe der „Beckerische Gartenkalender“ als eine Gartenfrucht vor, aus der man ein wohlschmeckendes Öl pressen kann. 1802 widmete ihr ein Verehrer, Johann Jacob Müller, eine ganze Abhandlung: In seiner „Anweisung zu dem einträglichen Anbau der Erdmandeln und deren Benutzung“ schwärmt er von den Vorzügen des „essbaren Cyperngrases“, berichtet von eigenen Anbauversuchen und den vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten.

„In Spanien, besonders im Königreich Valencia werden die Erdmandeln stark gebaut; und obgleich bey Madrit keine gezogen werden, so werden solche doch daselbst zum Gebrauch der Orgeate oder Mandelmilch in großer Menge verzehret. Die Spanier ziehen das aus Erdmandeln verfertigte Getränke, dem Getränke der ächten Mandeln vor, und finden solches erfrischender.“

Erdmandelmilch „Horchata de chufa“ – Spaniens Sommergetränk

Die Erdmandelmilch „Horchata de chufa“ ist in Spanien auch heute noch immer ein beliebtes Sommergetränk, das allerdings etwas aufwändiger herzustellen ist. Das historische Rezept verlangt, dass die gereinigten Erdmandeln, in Spanien Chufa genannt, nach der Ernte erst einmal gut durchtrocknen.

Danach lässt man sie in Wasser quellen und püriert sie. Das Püree wird mit Wasser, Zitronensaft und Zucker verdünnt und durch ein feines Sieb gegossen – fertig ist die Horchhata. Da sie schnell zu gären beginnt, sollte man sie frisch genießen.

Auch als Ersatz für den teuren Kaffee preist Johann Jacob Müller sie an: „Der Vanillengeschmack, den die geröstete Erdmandel von sich giebt, ist auffallend. Man kann den Erdmandelkaffee, schon ohne Zusatz von rechtem Kaffee, mit Lust trinken, und schon viele haben ihn dem ordinairen Kaffee vorgezogen.“ Kein Wunder, dass sie im 19. Jahrhundert auch den Beinamen Kaffeewurzel erhielt.

Doch das sind nicht die einzigen Tugenden: Getrocknet und auf einen Spieß gesteckt, könne man sie anzünden und als Kerze verwenden, berichtet Johann Jacob Müller. Aus den getrockneten und gerösteten Knollen ließe sich zudem ein wohlschmeckendes Mehl zubereiten, das, gemischt mit gewöhnlichem Mehl und kräftigem Sauerteig, auch zum Brotbacken geeignet sein. Und nicht zuletzt sei das Gras ein Viehfutter, nachdem Pferde und Kühe recht begierig seien.

Wer jetzt Lust hat, die Erdmandeln selbst anzubauen (am besten im Topf, damit sie nicht den Garten überwuchert), bekommt in spezialisierten Gärtnereien Samen oder Setzlinge.

Interessante Links zur Erdmandel:

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