Wieso soll man Jodtabletten nehmen, wenn es einen Atomunfall in der Nähe gibt? Was bewirkt Jod eigentlich im Körper? Die Weltgesundheitsorganisation WHO bewertet Deutschland als ‚mittelschweres Jodmangelgebiet‘. Doch was heißt das? Jod gehört zu den Spurenelementen – die heißen unter anderem so, weil sie für den Körper in äußerst geringen Mengen gut und nützlich sind.
Jodtabletten bei Atomunfall? Bundesministerium informiert
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) informiert über die Einnahme hochdosierter Jodtabletten (Kaliumjodid) bei Reaktorunfällen und warnt vorsorglich:
Die hochdosierten „Jodtabletten dürfen nicht mit den Jodtabletten verwechselt werden, die zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten vom Arzt verschrieben werden. Die Menge an Jod in diesen vom Arzt verschriebenen Tabletten ist viel zu gering, um sie zur Jodblockade einzusetzen. Umgekehrt dürfen die Jodtabletten, die zur Jodblockade eingenommen werden wegen ihrer hohen Jodmenge, nicht zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten verwendet werden. Zu Ihrer eigenen Sicherheit dürfen sie nur nach Empfehlung durch die Katastrophenschutzbehörden bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk eingenommen werden.“
Mit anderen Worten: Trotz des Atomunfalls in Japan braucht man in Deutschland derzeit KEINE hochdosierten Jodtabletten!
Die Dosis macht das Gift: Jodmangel, aber auch Jodüberschuß ist ungesund
Weil Jodmangel eine ganz Reihe von Krankheiten auslösen kann, empfiehlt die WHO, Lebensmittel mit Jod anzureichern. Jodiertes Salz ist heutzutage in Deutschland überall zu bekommen. Viele Fertignahrungsmittel werden mit Jodsalz hergestellt. Auch der rote Lebensmittelfarbstoff Erythrosin (E 127) enthält Jod – mit ihm werden beispielsweise Arzneimittel und Cocktailkirschen gefärbt.
In der Wissenschaft herrscht keine Einigkeit darüber, ob die pauschalen Gaben von Jod und jodiertem Salz wirklich gesund sind. Manche Menschen reagieren auf jeden Fall negativ und mit Krankheitssymptomen auf die allgegenwärtigen jodierten Speisen. Und wer z. B. wegen einer Krebserkrankung keine Schilddrüse mehr hat, sollte eigentlich jodfrei essen.
Bevor man also jodierte Nahrung zu sich nimmt, sollte man mit dem Hausarzt klären, ob man wirklich unter Jodmangel leidet. Über einen möglichen Jodmangel gibt nur eine Blutuntersuchung genaue Auskunft.
Fakt ist, dass der Körper auf das vorhandene Jodangebot reagiert. In Japan etwa nehmen die Menschen Mengen an Jod über die algen- und seefischreiche Nahrung auf, die hierzulande (also in Deutschland oder Österreich) als gefährlich gilt.
Essentielles Spurenelement: Jod ist wichtig für die Hormone
Jod wurde das erste Mal 1811 aus der Asche von Seetang gewonnen. 1814 erhielt es von zwei französischen Naturwissenschaftlern seinen Namen. Jod findet sich vor allem in Algen, Meeresfrüchten und Seefischen. In manchen Regionen enthalten auch Gemüse, Milch und Milchprodukte noch ausreichend Jod – das hängt allerdings von der Bodenbeschaffenheit ab.
Jod gehört zu den essentiellen Spurenelementen. Der Körper kann nur begrenzt Jodvorräte speichern, es muss also mit der Nahrung aufgenommen werden. Für einen Erwachsenen reichen 180 bis 200 Mikrogramm Jod, um den Tagesbedarf zu decken. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf an Spurenelementen, sie brauchen deshalb etwas mehr Jod.
Ein Großteil des körpereigenen Jods sammelt sich in der Schilddrüse, der Rest teilt sich auf Galle, Hirnanhangdrüse, Muskeln und Speicheldrüse auf. Jod ist am Sauerstoffverbrauch im Gewebe und dem Energiehaushalt beteiligt.
Vor allem für die Schilddrüse ist dieses Spurenelement von größter Bedeutung, da es in den Schilddrüsenhormone enthalten ist, z. B. enthalten die Hormone Thyroxin und Trijodthyronin rund drei Viertel des Jod-Tagesbedarfs.
Schon im Mutterleib ist für Wachstum und Entwicklung eine ausreichende Versorgung mit Jod wichtig. Später spielt Jod dann für den Blutdruck, die Fruchtbarkeit, Herztätigkeit, Regulation der Körpertemperatur und das Leistungsvermögen, eine Rolle.
Bereits in der Antike hatte man festgestellt, dass sich Kropfkrankheiten mit den Schilddrüsen von Schafen behandeln lassen. Der Kropf, eine Wucherung des Schilddrüsengewebes, ist eine Folge von zu wenig Jod in der Nahrung.
Denn bei chronischem Jodmangel wächst die Schilddrüse, die versucht, trotz des Mangels ausreichend Hormone zu bilden – es entwickelt sich in der Folge ein Jodmangelkropf oder Struma. Bei langfristig unzureichender Jodzufuhr wird die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt – und das hat Auswirkungen auf den gesamten Organismus.
Eine Schilddrüsenunterfunktion macht sich beispielsweise mit Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit, unerklärlicher Gewichtszunahme, blasser Haut und depressiven Verstimmungen bemerkbar. Bei Kindern kann sich die geistige und körperliche Entwicklung durch Jodmangel verzögern.
Eine Schilddrüsenüberfunktion – Morbus Basedow oder Basedow’sche Krankheit – erkennt man u. a. an hervortretenden Augen und unerklärbarem Gewichtsverlust. Sowohl Schilddrüsenunter- als auch Schilddrüsenüberfunktion sind Krankheiten, die einer ärztlichen Behandlung bedürfen.
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