Giersch – Gärtnerplage, Gourmetgenuss: Wildkräuter essen statt jäten

Geißfuß oder Erdholler (Erdholunder) heißt der wilde Giersch (Aegopodium podagraria) auch wegen seiner gespaltenen Blätter, die im Frühjahr mit ihrem frischen Glanz zu den ersten Unkräutern im Garten zählen, die den Hobbygärtner zur Verzweiflung bringen. Denn der Giersch ist nicht loszuwerden. Jedes Wurzelstückchen, jedes Blatt treibt neu aus und die Wurzeln bilden ein wucherndes Netzwerk im Boden, das sich zwischen Rosenwurzeln genauso zwängt wie es sich mit den Lebensbaumwurzeln verschlingt.

Giersch: Traditionelles Heilkraut gegen Gicht

Seinen Beinamen „Podagrakraut“ erhielt der Giersch, weil er in der Volksmedizin als Heilkraut gegen die Podagra, also die Gicht eingesetzt wurde – und auch gegen Rheuma, das ähnliche Symptome zeigt. Aus den zerquetschten Blättern bereitete man gern lindernde Umschläge für die entzündeten Körperteile zu oder fügte sie dem Badewasser bei.

Giersch in der Küche: Reich an Mineralien und Vitamin C

„Viriditas“, Grünkraft, nannte die Äbtissin Hildegard von Bingen im Mittelalter diese unbändige Lebenskraft, die dem Giersch zu eigen ist. Schon die alten Römer sollen die Blätter des Zipperleinkrautes, wie der Giersch auch genannt wird, mit Genuss verspeist haben, und mancher Gärtner weist den römischen Legionären die Schuld daran zu, wenn er im Garten mit dem Giersch-Jäten nicht nachkommt.

Doch im Mittelalter baute man das robuste Pflänzchen gern in Klostergärten an. Und fest steht: Bevor im 16. Jahrhundert der Spinat nach Europa einwanderte, war Giersch vor allem bei den Bauern das Blattgemüse der Wahl. Auch bei der Zubereitung der noch heute verbreiteten Gründonnerstagssuppe, die mancherorts unter dem Namen „Neunstärke“ bekannt ist, gehören die jungen Blätter und Stängel zur Kräutermischung.

Die weißen Blütendolden des Geißfußes sind ebenfalls essbar. Sie duften nach einer Mischung aus Petersilie und frischen Möhren, und auch ihr Geschmack erinnert daran. Besonders ältere Blätter schmecken auch recht petersilienartig und eignen sich als würzende Zutat zu allen Gerichten, die sonst nach Petersilie verlangen. Das kräftige Unkraut Giersch enthält Mineralien wie Eisen, Kupfer und Mangan und ist ein guter Vitamin C-Lieferant; zudem liefert es Provitamin A und ätherische Öle.

Weil Giersch fast das ganze Jahr über frische Blätter treibt, ist er eine der Basiszutaten für die Gemüseküche. Man pflückt die jungen, noch glänzenden Blätter und Triebe am besten am frühen Morgen. In dieser Form eignen sie sich hervorragend zum Rohessen als Salat.

Ältere Blätter schmecken herzhafter und sind eine Alternative zum Spinat, man kann sie kurz blanchiert beispielsweise als Füllung für Omelettes, als Einlage für Suppen oder in Aufläufen verwenden. Lecker ist auch das folgende Giersch-Rezept: Giersch nach Römerart

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