Essbare Wildkräuter: Vogelmiere (Stellaria media) – Wildkraut mit Maisgeschmack

Essbare Wildkräuter wie die Vogelmiere (Stellaria media) kann man sogar im Winter ernten (Foto © Rasbak, CreativeCommons 3.0)
Essbare Wildkräuter wie die Vogelmiere (Stellaria media) kann man sogar im Winter ernten (Foto © Rasbak, CreativeCommons 3.0)

Mancher Hobbygärtner verflucht das unscheinbare Pflänzchen als Unkraut, weil es sich so schnell im Garten verbreitet und eigentlich nicht zu entfernen ist. Doch wer sich mit der Idee anfreundet, dass die Vogelmiere (Stellaria media) eine Menge positiver Eigenschaften hat, spart

sich zum einen das lästige Jäten, das doch nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt ist, und gewinnt zum anderen eine Bereicherung des Speiseplans.

Denn Vogelmiere gehört zu den besonders leckeren essbaren Wildkräutern. Man kann sie fast das ganze Jahr über sammeln oder sie im Winter sogar in einem Topf auf der Fensterbank züchten.

Die Vogelmiere hört auch auf andere Namen: Vogelsternmiere oder Gänsegras, Vogelkraut oder Hühnerdarm. Sie wächst schon seit der Jungsteinzeit in Europa und diente oft als Futter für das heimische Federvieh – daher sicher auch die vielen Namen, die mit Vögeln zu tun haben.

Der Kräuterkundler Hieronymus Bock (1498-1554) berichtet 1546 über die Vogelmiere: „Diß aller gemeinst kreütlin findt man vber jar/ in allen kraut gärten/ in weingärten/ vnnd so feister die äcker vnnd weingärten/ je feister vnd freidiger auch grüner vnnd safftiger das kraut auff de grund sich lägert vnd fladert. Ist vber jar in allen gebawten gärten zu finden grün. Am geschmack wie andere koch kreütter/ zu allem vihe dienstlich/ vn in sunderheit zu den Distel fincken/ die haben jre kurtzweil darmit.

Schaut man sich das kleine Nelkengewächs genauer an, findet man an saftigen, dünnen, aber zähen Stängeln zahlreiche kleine, weiße, sternförmige Blüten, zart behaarte Knospen und saftiggrüne rundliche Blättchen, die in eine Spitze münden.

Vogelmiere als Unkraut im Garten: Bekämpfung mit  Zähnen statt Gift

Die Vogelmiere liebt nährstoffreichen Boden, besiedelt gern Weinberge und Gärten oder Gemüseäcker. Sie kriecht mit ihren langen Stängeln am Boden entlang und überwuchert so schnell ein ganzes Beet mit einem Rasen aus Blättchen. Deshalb eignet sie sich auch als Bodendecker und Mulche, die die Erde vor dem Austrocknen schützt. Hängen die Blättchen müde herunter, weiß man außerdem gleich, dass der Garten Wasser braucht.

Wer mit der Natur gärtnert statt gegen sie, wird sich also über den vitalen Hühnerdarm freuen, und die frischgrünen Rasen gleich als gesunden Salat- oder Gemüsevorrat abernten.

Vorsicht ist jedoch geboten, solange das Kraut nicht blüht. Denn dann kann man es leicht mit dem Ackergauchheil (Anagallis arvensis) verwechseln, der allerdings orange oder blaue Blüten hat.

Die Vogelmiere als Küchenkraut und Heilkraut

So mancher behauptet, Vogelmiere würde nussig schmecken. Wer aber als Kind einmal milchreifen Mais vom Feld geklaut hat, dem ist der Geschmack der grünen Blättchen sofort vertraut: Vogelmiere schmeckt wie junge Maiskolben.

Diesen feinen, aromatischen Geschmack sollte man unbedingt zur Anreicherung des eigenen Speiseplans benutzen. Denn das „Kleinvogelkraut“, wie es im 16. Jahrhundert auch genannt wurde, ist nicht nur köstlich, sondern auch reich an Vitaminen und Mineralstoffen.

Mit nur 150 Gramm frischer Vogelmiere kann man bereits seinen Tagesbedarf an Vitamin C, Eisen und Kalium sättigen. Zusätzlich enthält sie Provitamin A, Kalzium, Kalium, Magnesium, Zink, Kieselsäure und Saponine.

Wer Hühner, Kanarienvögel oder Wellensittiche hält, kann ihnen mit dem frischen Grün ebenfalls eine Freude machen. Im Gärtnerblog gibts auch ein schönes Foto, auf dem man die Vogelmiere gut erkennen kann. Wer Vogelmiere selbst aussäen möchte, z. B. im Blumenkasten auf dem Balkon, findet vor allem im Wellensittich-Bedarf Samen.

Windleben hat ein interessantes Rezept für eine Vogelmieren-Salbe als Hausmittel gegen Schnakenstiche (Mückenstiche) und andere Insektenstiche.

Vogelmiere-Kräutercreme – ein leckeres Wildkräuter-Rezept

Pflücken Sie etwa eine Hand voll gemischte essbare Wildkräuter wie Löwenzahn (Blätter) Gänseblümchen (Blätter und Blüten), Sauerklee oder Sauerampfer. Waschen Sie die Kräuter und schneiden Sie sie klein.

Ernten Sie ca. 150 Gramm Vogelmiere – das geht am besten mit einer großen Schere. Waschen Sie die Miere vorsichtig unter kaltem Wasser und lassen Sie sie abtropfen oder trocknen Sie das Kraut in einer Salatschleuder. Schneiden Sie das Kraut nun mit einer Schere in mundgerechte Teile und vermischen Sie die Vogelmiere mit den anderen Wildkräutern.

Verrühren Sie dann in einer Schüssel einen Becher Saure Sahne und einen Becher Biojoghurt mit zwei Esslöffeln Öl (Olivenöl oder ein anderes, kaltgepresstes Öl) mit dem Mixer zu einer Creme. Heben Sie die Kräuter unter die Creme und würzen Sie mit Salz, Pfeffer, frisch gepresstem Zitronensaft und nach Geschmack etwas geriebener Zwiebel oder feingehacktem Knoblauch nach.

Die Vogelmiere-Kräutercreme passt gut zu frischem Bauernbrot, zu Pellkartoffeln oder als Dip einfach zu Gemüsestreifen.

PS:
Wer sich für essbare Wildkräuter interessiert, hat bestimmt Spaß an der Enzyklopädie der essbaren Wildkräuter – hier gibts meine Buchbesprechung, und hier kann man das Buch bestellen: Enzyklopädie der essbaren Wildkräuter.

4 Kommentare

  1. Ich versuche immer, auf dem Balkon die Vogelmiere zu züchten, was mir nicht immer gelingt, manchmal
    schwindet sie einfach kurz nach dem Keimen wieder dahin – so ist es jetzt zur Zeit gerade (Juni/ Juli) –
    und ich schaffe es einfach nicht, mir eine „Vogelmierenkultur“ auf Dauer anzulegen.
    Weiß jemand, was ich evtl . falsch mache bzw. was ich machen kann?
    Gaby Krüger

  2. Hallo Gaby Krüger,
    vielleicht ist es für die Vogelmiere auf Ihrem Balkon zu trocken und zu heiß? Meiner Erfahrung nach gedeiht sie besonders gut im Halbschatten, auf guter, feuchter Erde.
    Wenn die Erde vielleicht zu mager ist, sie aber sinnvollerweise keinen Kunstdünger verwenden wollen, gehen Sie doch mal auf Suche nach Wurmhäufchen. Wenn man die in Wasser auflöst und zum Gießen verwendet, hat man einen guten natürlichen Dünger.
    Viel Erfolg!

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