Schlehen – die herb-aromatischen Früchte des Schlehdorns

Schlehen schmecken erst nach dem ersten Frost gut (Foto: © kladu / pixelio.de)
Schlehen schmecken erst nach dem ersten Frost gut (Foto: © kladu / pixelio.de)

Schon in der Jungsteinzeit speisten unsere Vorfahren von den herben Früchten des Schleh- oder Schwarzdorns (Prunus spinosa). Von April bis Mai schmücken sich die dornenbewehrten dunklen Zweige des Schlehdorns mit einer weißen, süß duftenden Blütenpracht. Aus den Blüten kann man einen Tee

aufgießen oder sie kandieren und als Süßigkeit vernaschen.

Schlehen in der Volksheilkunde

In der Volksheilkunde wurden die Schlehen bereits seit dem Mittelalter gern eingesetzt: Schon der deutsche Botaniker und Arzt Hieronymus Bock (1498–1554) und der italienische Arzt Petrus Andreas Matthiolus (1501–1577) erwähnten in ihren Kräuterbüchern die „Krafft und Würckung“ der Schlehe, die als Heilmittel bei Infektionskrankheiten gern eingesetzt wurde.

Kein Wunder – ihr hoher Gehalt an Vitamin C sowie Vitaminen der B-Gruppe und Vitamin E machen die blau bereiften Steinfrüchte zur Vitaminbombe, die entzündungshemmend wirkt. Außerdem sagt man ihr eine appetitanregende Wirkung nach und nutzt sie als harntreibendes und abführendes Naturheilmittel.

Wie bei allen seit altersher bekannten Nahrungspflanzen haben sich auch um die Schlehe Bräuche und Aberglauben gerankt: Wenn man die drei ersten Schlehenblüten isst, soll man das ganze Jahr über vor Fieber geschützt sein. Und auch als Warzenmittel sollten sie dienen, dazu musste man eine Nacktschnecke auf einen Schlehenstrauch spießen und dazu ein Zaubersprüchlein aufsagen: „Schneck, i tu di nit ins Grab / Büß di Lebe am Dorn do ab. / Wenn di Lebe isch entflohn / sin mini Warzen au davon.“

Rezept für Schlehenwein von Schillers Schwiegermutter – für Experimentierfreudige

Die Schwiegermutter des Dichters Friedrich Schiller, Louise Juliane Eleonore Friederike von Lengefeld (1743–1823), verzeichnet in ihrem handgeschriebenen Rezeptbuch ein Rezept für Schlehenwein – vielleicht mag ja einmal jemand damit experimentieren, „Schleen-Wein zu machen“.

Und so geht es: „Erstlich müssen die Schleen, wenn sie erst gefrohren sind, frisch abgepflicket und nebst denen Kernen gestoßen werden, selbige frisch in ein Faß gethan, und auf 1/2 OhmFaß Wein, 1. Himbten Schleen gethan werden, worunter etwas dinnegeschnittene Hasel- oder Henbutten (= Hagebutten) Spähne gemenget werden, damit die Schleen nicht auf einander liegen“.

Das Rezept verwendet heute ungebräuchliche Maße: Ein Ohm entspricht rund 150 Litern, ein Himbten ist ebenfalls ein Hohlmaß, das etwa 31,5 Litern entspricht. Da die Schlehenkerne wie Bittermandeln Blausäure enthalten, sollte man beim Nachbrauen des Lengefeldschen Schlehenweines das Rezept mit nur wenigen Kernen würzen und lieber nur das Fruchtfleisch verwenden.

Der Hinweis, gefrorene Früchte zu ernten, ist übrigens auch heute noch aktuell. Der Frost nimmt den gerbstoffreichen, zusammenziehenden Früchten etwas von ihrer Herbheit. Doch nun noch ein neuzeitliches Rezept, in dem Schlehen mit Birnensaft zu süßem Brotaufstrich verwandelt werden:

Rezept für Schlehenmarmelade

Aus Schlehen Marmelade kochen: Für ein Kilogramm Schlehen (inklusive Kerne) benötigt man 250 Milliliter Birnensaft und Gelierzucker – die Menge hängt davon ab, wie viel verwertbaren Anteil die Schlehen abgeben, das muss man also jedes Mal berechnen.

Schlehen in wenig Wasser gut weich kochen und durch ein Sieb oder eine Flotte Lotte passieren, um die Kerne zu entfernen. Dann das Schlehenfruchtmark mit dem Birnensaft mischen, die genaue Menge abmessen und mit der entsprechenden Menge Gelierzucker zu Marmelade verkochen.

Wer Rezepte für Schlehenschnapps und Schlehenlikör sucht:  Aunt Meggie verrät zwei Rezepte in ihrem Blog, beim Wunderkessel gibts low-carb-Schlehenlikör.

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