Die Kornelkirsche ist in Mitteleuropa heimisch. Botanisch gehört sie zur Familie der Hartriegelgewächse und wird auch Gelber Hartriegel genannt. Doch sie hat noch viele andere Namen: Kornelle, Herlitze, Dirlitze, in Bayern und Österreich nennt man sie Dirndl.
Schon in der Jungsteinzeit aß man die dunkelroten Früchte, und seit langem ist die Cornelius-Kirsche als heilkräftige Frucht bekannt: Hildegard von Bingen empfahl die Kornelkirsche – als gesundheitsfördernden Badezusatz: Aus den Blättern, der Rinde und dem Holz des Erlizbaums, wie sie den Strauch im 3. Buch der „Physika“ (ca. 1155) nennt, soll man im Sommer eine Abkochung bereiten und in der baden. Die Früchte seien nicht schädlich und magenstärkend.
Der Arzt und Botaniker Hieronymus Bock (1498–1556) zählt den „Cornelenbaum“ zu den „Welsch Kirschen“, die er auf vielerlei Weise zu nutzen empfiehlt: „Auff der Moselen / vn an orte da obernenter Kirsen vil wachsen/ werde die schwein darmit gemestet. Aber warlich dise frucht geessen/ stopffen gewaltigklich/ den Schlehen vnd Nespeln gleich/ sollen inn allen bauch flüssen genützet werden. Man mag dise Kirsen backen/ oder einsaltzen/ wie Oliven (…). Etliche beitzen dise frucht in zucker vnd honig/ wie Kirsen vnnd Schlehen/ zu der roten rur vast dienstlich.“ (Kreüter Buch 1546)
Auch Zedlers „Grosses vollständigs Universal Lexicon“ aus dem Jahr 1733 enthält einen Artikel über die Cornell-Kirschen mit Rezeptvorschlägen: „Die reiffen Beeren isset man so für sich oder man macht sie mit Zucker ein: Die unreiffen, wenn sie fast beginnen roth zu werden, leget man in Salz-Wasser, wie die Oliven, etliche thun auch ein wenig grünen Fenchel und Lorbeer-Blätter dazu, und sezen sie an statt derer Oliven, weil sie an Farbe und Geschmack diesen fast gleichen, zu Tische; sind aber denen, die einen schwachen Magen haben, nicht gar dienlich, man macht auch Cornell-Wein daraus, welcher in denen Bauch-Flüssen kann genuzet werden. Einige dörren die Beerlein, stossen sie zu Pulver, und brauchen davon ein Quentlein wieder die Blut- und Bauch-Flüsse.“
Die olivenförmigen, roten Früchte sammelt man am besten, wenn sie schon vom Strauch fallen, denn dann sind sie wirklich reif. Dank ihres hohen Vitamin C-Gehaltes (70 bis 125 Milligramm pro 100 Gramm) sind sie sehr sauer, aber auch ein optimales Gesundheitsobst für die kühlere Jahreszeit. Ihre rote Schale enthält Anthocyane, die als Radikalenfänger gelten.
Roh bringt sie wohl kaum jemand herunter, weil sie saurer sind als Zitronen. Doch als Saft oder Marmelade mit genügend Zucker versehen, erfreuen sie unseren Geschmackssinn mit einer ungewöhnlichen Note. Man kann sie auch wie Preiselbeeren einlegen und als aromatische Beilage zu Wildgerichten verwenden.
Leider haben die Wildfrüchte relativ wenig Fleisch um einen großen Kern, doch gibt es mittlerweile Züchtungen wie die Sorten Devin oder Jolico, die deutlich mehr Fruchtfleisch haben und sich für den Anbau im eigenen Garten eignen.
Dieses Rezept für Kornelkirschen-Zwiebel-Chutney ist sicher ausprobierenswert.
Buchtipps
Hallo,
bin auf der Suche nach einer Quelle für den Gehalt an Vitamin C der Kornelkirschefrüchte,
hier auch wieder „hohen Vitamin C-Gehaltes (70 bis 125 Milligramm pro 100 Gramm)“ – auf welcher Quelle beruht diese angabe, wer hat die Originaldaten erstellt bzw. veröffentlicht?
Kannmir jemand mit Quellenangaben helfen?
Danke,
/Igor
Hallo Igor, der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen gibt 80 bis 100 mg Vitamin C pro 100 g Frischsubstanz für Kornelkirschen an (vgl. Eberhard Walther: „Besondere Obstarten dekorativ – schmackhaft – gesund„, Februar 2013), die Gärtnerei Naturwuchs gibt für die Sorte ‚Jolico‘ einen Vitamin-C-Gehalt von 125 mg/100 g an, wogegen die „Große vegane Nährwerttabelle“ von Katharina Petter und Tobias Pohlmann nur 78 mg/100 g angibt.
Wie bei allen Früchten gilt auch bei den Kornelkirschen: Die Gehalte an Vitaminen, Spurenelementen etc. sind Durchschnittswerte, der Gehalt der einzelnen Frucht kann davon stark abweichen, je nachdem, unter welchen Bedingungen und auf welchen Böden die Pflanze wächst.
Wir hoffen, das hilft Ihnen weiter.