Kartoffelfreunde können sich freuen: Mit den Knollen der blauen Kartoffeln kann man speisender Weise etwas für die Gesundheit tun. Genauer gesagt: für den Blutdruck. Denn mit Bluthochdruck ist nicht zu spaßen. Auf lange Sicht kann er zu gefährlichen Folgeerkrankungen führen wie beispielsweise Arteriosklerose mit ihren zahlreichen Folgeschäden oder Herzmuskelschwäche. Auch Nieren und Augen werden bei chronischem Bluthochdruck oft in Mitleidenschaft gezogen.
Lässt sich der Blutdruck nur über die Nahrung, auch ohne zusätzliche chemische Medikamente, gezielt senken? Dieser Frage gingen Wissenschaftler der katholischen Privatuniversität University of Scranton (Pennsylvania) in einer Studie nach, deren Ergebnisse sie beim 42. National Meeting & Exposition der American Chemical Society (ACS) präsentierten.
Untersucht wurde, welche Wirkung eine heutzutage kaum in Supermärkten zu findenden Kartoffelvariante, nämlich blaue Kartoffeln, auf den Blutdruck haben. Obwohl sie blau genannt werden, sehen diese Kartoffeln übrigens eher dunkelviolett aus.
Blaue Kartoffeln wurden gewählt, weil sie reich sind an so genannten sekundären Pflanzenstoffen – in diesem Fall Farbstoffen wie Anthocyanen und Carotinoiden, die für die blauviolette Färbung zuständig sind. Ob anders gefärbte Kartoffeln genauso wirkungsvoll sind, will man in einer weiteren Studie prüfen.
Die Studie: Nur etwas für Kartoffelliebhaber
Die Forscher aus Scranton beobachteten unter ihrem Leiter Joe Vinson einen Monat lang, wie sich die gesundheitlichen Werte von 18 übergewichtigen Testpersonen bei einer leicht veränderten Ernährungsweise verhielten. Sie setzten dabei auf blaue Kartoffeln als Lieferant gesundheitsfördernder pflanzlicher Stoffe.
Zweimal am Tag bekamen die Teilnehmer der Studie sechs bis acht dieser Knollen zu essen und verspeisten dabei auch die Schale mit. Nicht lecker mit Butter oder als Pommes Frites wurden die Kartoffeln zubereitet, sondern äußerst schlicht in der Mikrowelle gegart und zudem gänzlich ohne Fett.
Denn das ist ein wesentlicher Faktor, den wir bei unserer alltäglichen Nahrungszubereitung häufig außer Acht lassen: Hohe Temperaturen wie sie beim Garen in heißem Öl entstehen zerstören viele positive Inhaltsstoffe.
Positive Wirkung auf den Blutdruck messbar
Protokolliert wurden während der Studie sowohl systolischer Blutdruck (also der obere Wert, der durch das Pumpen des Herzens entsteht) als auch diastolischer Blutdruck (der untere Wert bei der Entspannung des Herzmuskels).
Nach einem Monat wurde Bilanz gezogen und es zeigte sich, dass der systolische Druck im Durchschnitt um 3,5 Prozent und der diastolische um rund 4,3 Prozent gesenkt werden konnte. Ein positiver Nebeneffekt: Bei keinem der Teilnehmer war in dieser Zeit eine Gewichtszunahme zu verzeichnen.
Sekundäre Pflanzenstoffe wirken
Zurückzuführen ist diese blutdrucksenkende Wirkung auf die zahlreichen sekundären Pflanzenstoffe, die in den blauen Kartoffeln in großer Vielfalt enthalten sind. Auch andere Gemüse und auch Obst enthalten derartige sekundäre Wirkstoffe.
Vor allem die Farbe ist ein Indikator für Laien, zu welchen Produkten man bevorzugt greifen sollte: Je kräftiger in der Farbe, desto besser! Mehr als 30.000 verschiedene derartige sekundäre Pflanzenstoffe sind bekannt und sie haben vielfältige Eigenschaften und Wirkungen.
Polyphenole gehören ebenso zu diesen Wirkstoffgruppen wie Carotinoide, Monoterpene oder Chlorophyll. Eigentlich haben sie u.a. die Aufgabe, die Pflanze zu schützen, doch auch der menschliche Körper kann sich ihre antimikrobiellen und antioxidativen Fähigkeiten zunutze machen. So helfen diese Stoffe bei der Bekämpfung von freien Radikalen, Bakterien, Pilzen und Viren. Sie stärken das Immunsystem und können auch das Krebsrisiko senken.
Betrachtet man, womit sich der Chemieprofessor Joe Vinson sonst noch befasst, stellt man fest, dass er auch die Polyphenole in anderen, oft als ungesund betrachteten Lebensmitteln untersucht hat: Ob Schokolade oder Kaffee, Traubensaft, Rotwein, Weißwein oder grüner bzw. schwarzer Tee und Feigen – alle enthalten genau wie Gemüse und Obst Flavonoide. Und auf die scheint es bei einer gesunden Ernährung nach bisherigen Erkenntnissen tatsächlich anzukommen.
Weiterführende links
Pressemitteilung der American Chemical Society zur Studie
American Chemical Society. „Potatoes reduce blood pressure in people with obesity and high blood pressure.“ ScienceDaily, 31 Aug. 2011. Web. 29 Nov. 2011
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